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Reisebericht zur Radreise in Ostfriesland - Ostfriesische Impressionen

September 2008

"Moin":

Der Friesengeist ist ein hochprozentiger Schnaps, der als Ritual brennend serviert und mit Hilfe einer kleinen Pfanne gelöscht wird - nicht vom Gast, sondern von der Servierkraft oder dem Wirt selbst - dazu gibt es einen Trinkspruch, aber dazu später unten in der Galerie ...

Was erwartet den Radler:

Nur wenige Regionen in Deutschland haben so ein dichtes Netz an Fahrradwegen wie Ostfriesland. Viele Wirtschaftswege und Nebenstraßen führen zu kleinen abgelegenen Ortschaften, alte Warftdörfer, fast jeder Ort mit einer uralten Kirche. Schöne Wasserschlösser, Leuchttürme, Mühlen und natürlich viel Landschaft, die sandige Geest, die weiten Moorgebiete (Fehngebiete), die Marschgebiete hinter den Deichen warten auf den Radfahrer. Wir fahren durch das Ammerland an das Zwischenahner Meer, durch das Friesland nach Emden, der Geburtsstadt des bekannten ostfriesischen Komikers OTTO, besuchen den größten Krabbenfischerhafen Ostfrieslands in Greetsiel, genießen, wenn wir wollen, einen Tag am "Ballermann des Nordens" (Norderney). Fahren gen Westen durch die Marschenlandschaft nach Dornum und Esens, gönnen uns einen Abstecher nach Neuharlingersiel und gelangen schließlich vorbei an Jevers Brauerei nach Dangast, dem ältesten Nordseebad Niedersachsens. Steigungen findet man hier nur, wenn man einen Deich hochfahren möchte oder eine Brücke überqueren muss. Normalerweise wäre das ein ideales Terrain zum Radfahren, wenn da nicht der Wind wäre, der immer von vorne weht.

Reisezeit:

Tägliche Anreise von Ende April bis Anfang Oktober.

Streckencharakteristik:

Die Strecke ist fast völlig eben. Gefahren wird auf meist asphaltierten oder gepflasterten Wirtschaftswegen, vereinzelt auch auf kleinen, wenig befahrenen Nebenstraßen.

Organisation:

Zu den Leistungen des Reiseveranstalters Rückenwind Reisen GmbH (buchbar auch bei Eurofun Touristik GmbH) gehört wie bei den anderen auf dieser Webseite beschriebenen Radreisetouren die Hotelreservierung an den Etappenorten, der Gepäcktransport von Hotel zu Hotel, ausführliche Reiseunterlagen, umfangreisches Kartenmaterial und eine sorgfältig ausgearbeitete Routenführung, sowie eine 7-Tage-Service-Hotline.

Etappenübersicht der Standardtour ca. 320 km (und unsere Variante ca. 380 km):


 1. Tag: Anreise nach Oldenburg  5. Tag: "Ruhetag"
Am Anreisetag werden nach einem kurzen Informationsgespräch am späten Nachmittag auch eventuell gebuchte Leihräder im Hotel ausgehändigt. Mit der Fähre nach Norderney und Erkundung der Dünenlandschaft im Osten der Insel.
 2. Tag: Oldenburg - (Bad Zwischenahn) - Remels -
 Wiesmoor (ca. 55 km/69 km)
 6. Tag: Norden - Dornum - Esens - (Neuharlingersiel - Werdum)- Wittmund (ca. 50 km/75 km)
Die 1. Etappe führt Sie durch die Parklandschaft Ammerland. Das Ammerland im Nordwesten Deutschlands hat sich über die Jahrhunderte - nicht zuletzt durch seine mehr als 350 Baumschulen - zu einer einmaligen Parklandschaft entwickelt. Eingebettet in diese Kulisse findet sich eine Vielzahl von Gartenanlagen, die die hohe Kunst der traditionellen und neuzeitlichen Gartenbaukultur eindrucksvoll demonstrieren. Es geht vorbei am Zwischenahner Meer zum hoechsten Punkt Ostfrieslands (18 m) in Remels und schließlich Wiesmoor. Die Route führt uns heute nach Dornum, wo ein schönes Wasserschloss besichtigt werden kann, und weiter durch die Marschenlandschaft nach Esens und Wittmund.
3. Tag: Wiesmoor - Aurich - Emden (ca. 57 km) 7. Tag: Wittmund - Jever - (Hooksiel)- Schortens - Dangast (ca. 50 km/67 km)
Heute geht es durch die Fehnsiedlungen nach Aurich. Hier waren früher undurchdringliche Sümpfe und Moore, die die Friesen lange vor Sachsen, Franken und dem Christentum schützten. Mit Aurich erreichen wir die ehemalige Hauptstadt von Ostfriesland. Im Mausoleum in der historischen Altstadt finden 46 Grafen und Fürsten ihre Ruhestätte. Am Ems-Jade-Kanal entlang fahren wir dann in die Seehafenstadt Emden. Heute geht es zunächst nach Jever, das sicherlich jedem durch das "friesisch herbe" Bier bekannt sein dürfte. Fraglich ist, ob man sich so früh auf dieser Etappe schon einen Brauereibesuch leisten kann? Man wird sehen.
Die Route führt uns weiter vorbei am Schloss Gödens und weiter nach Dangast, dem ältesten Nordseebad an der Küste Niedersachsens. Dem Jadebusen folgend führt uns die Tour schließlich nach Varel.
4. Tag: Emden - Campen - (Rysum) - Greetsiel - Norddeich/Norden (ca. 55 km/83 km) 8. Tag: Dangast - Varel - Rastede - Wiefelstede - Oldenburg (ca. 55 km/63 km)
Durch die "Krummhörn" fahren wir zum pittoresken Fischerdorf Greetsiel und vorbei an der Leybucht nach Norddeich. Die Landschaft ist geprägt durch Landwirtschaft und Fischerei. Typisch sind Warftendörfer, Leuchttürme und die vielen Windmühlen. Von Dangast fahren wir via Varel nach Rastede, eine ehemalige Sommerresidenz des Oldenburger Adels, und durch den weitläufigen Schlosspark nach Oldenburg, dem Ausgangspunkt dieser Rundreise.  


Gastronomie allgemein:

Die Hotels konnten durchweg mit einem üppigen Frühstücksbüffet begeistern. Hierzu zählten die für Norddeutschland typischen großen, frischen und knusprigen Brötchen - nur in zwei Hotels gab es aufgebackene aus der Kühlung - , das Angebot an Wurst- und Käse-Aufschnitt, Marmelade sowie die englische Variante mit Würstchen, Rührei mit Schinken und natürlich Matjesfilet, Lachsscheiben, Forellenfilet und auch mal Nordsee-Krabben.
Selbstverständlich standen auch diverse Joghurts, Müsli und immer frisches Obst zur Auswahl.
Hotelliste:

Oldenburg: Hotel Alexander
Wiesmoor: Hotel Friesengeist
Emden: Upstalsboom Parkhotel Emden
Norden: Smutje
Wittmund: Ringhotel Residenz
Dangast: Strand-Hotel Dangast
Ammerland Baumschule
Charakteristisch fürs Ammerland sind die vielen Baumschulen mit bizarr beschnittenen Parkbäumen.

1. Etappe von Oldenburg nach Wiesmoor


Nach einem ausgiebigen Frühstück vom reichhaltigen Büffet stellen wir unsere Koffer pünktlich um 9.00 Uhr an der Rezeption zum Transport bereit. Pro Person können maximal zwei Gepäckstücke mitgenommen werden. Wir haben die Radkleidung (Trickots, Radlerhosen, Regen- und Windjacken) auf zwei kleine Koffer aufgeteilt, die "Zivilkleidung" ist in einem weiteren Koffer verstaut.
Für die kommenden Tage ist ein beständiges Hoch über Skandinavien vorhergesagt. Das bedeutet kalter Nord-Ost-Wind, aber kein Regen. Eine gute Basis für einen Fahrradurlaub.

Wir schwingen uns also auf unsere Rennräder und verlassen Oldenburg Richtung Nordwesten ins Ammerland.
Bad Zwischenahn
Bootssteg am Zwischenahner Meer (5,2 km²)
Heute wird das erste mal auf dem historischen Friesischen Heerweg geradelt. In alten Zeiten war nur an wenigen Stellen ein ganzjähriges Vorankommen möglich. Das Land bestand hier zu großen Teilen aus moorigen uns sumpfigen Niederungen, die immer wieder von der Nordsee überspült wurden. Also mussten sich die Menschen Wege suchen, die dauerhaft passierbar waren. Mit der Zeit wurden diese Wege befestigt und für Transporte von Gütern und Truppen und für Postkutschenverbindungen verwendet. Daher stammen auch die Straßennamen "Heerweg" und "Alter Postweg", auf die man hier immer wieder trifft.
Im schönen Kurort Bad Zwischenahn gönnen wir uns eine kurze Rast. Das Zwischenahner Meer ist ein flacher Moorsee, der im Schnitt nur 3 Meter tief ist. Bekannt und begehrt sind die frisch geräucherten Aale ("Smoortaal").
Westerstede Rathaus
Rathaus in Westerstede
In Westerstede, dem Hauptort des Ammerlandes gibt es reichlich Einkehrmöglichkeiten für die Mittagsrast. Steht man vor dem Rathaus, befindet sich linker Hand das Turmcafe in der Parkanlage Thalenweide, ein umgebauter Wasserturm, in dessen oberstem Stockwerk der Gast allerlei Leckereien mit einem herrlichen Rundblick auf das Ammerland genießen kann. Probieren Sie doch mal die Ostfriesentorte.

Nachdem wir Westerstede passiert haben schlängelt sich der Radweg durch den malerischen Ort Hollwege, dessen typische Ammerländer Wohnhäuser mit fantasievoll bepflanzten Vorgärten faszinieren.
Hollesand
Düne mitten im Flachland im Naturschutzgebiet Hollesand
Weiter geht es über den höchsten Punkt Ostfrieslands nach Wiesmoor. Die Route führt nördlich von Remels auf einem sandigen Naturweg durch das Naturschutzgebiet Hollesand. Je nach Witterung und Wegenutzung muss hier schon mal ein Stück geschoben werden.
Bei den kleinen Hügeln im Wald handelt es sich um eiszeitliche Wanderdünen, die vor etwa 150 Jahren aufgeforstet und damit zum Stillstand gebracht wurden. Hier befindet sich der höchste Punkt Ostfrieslands mit
18,6 m.
Auf den Ostfriesischen Inseln (z.B. Langeoog) gibt es zwar Dünen, die über 20 m hoch sind, allerdings im Gegensatz zu den Dünen von Hollesand noch nicht zum Stillstand gekommen sind und ihre Höhe noch verändern.


Wiesmoor Friesengeist
Hotel Friesengeist am Markplatz von Wiesmoor
Am Markplatz von Wiesmoor endet die heutige Tagesetappe.

Der Ortsname leitet sich ab von dem Wiesmoor, ein 12000 Hektar großes Moor, mit dessen Urbarmachung vor etwa 200 Jahren begonnen wurde. In der Folgezeit entstand hier ein großes Torfkraftwerk, das die Region mit elektr. Energie versorgte. Mit der Abwärme wurden riesige Treibhäuser betrieben. Daraus entwickelte sich die heutige "Blumengemeinde" Wiesmoor, in der jedes Jahr im Herbst das größte Blütenfest Norddeutschlands stattfindet. Am Marktplatz befindet sich auch die Blumenhalle mit einem großen Gärtnereigelände, durch das stündlich Besichtigungsfahrten angeboten werden.



Grossefehn-Kanal
Großefehnkanal

2. Etappe von Wiesmoor nach Emden


Heute geht es zunächst mehrere Kilometer schnurgeradeaus durch die typische, lang gestreckte Fehnsiedlung Ostgroßefehn.
Bei den "Fehngebieten" handelt es sich um Sumpf-/Moorland, das abgetorft und trocken gelegt wurde.
Hierzu legte man Entwässerungskanäle an, die sogenannten "Wieken". Dann wurden entlang eines Kanals gleichgroße, nicht sehr breite (ca. 100 m) aber bis zu 2 km tiefe Grundstücke zu Urbarmachung an die Kolonisten vergeben. Somit entstanden die typischen langezogenen Dörfer ohne richtigen Ortskern. In der Nähe der Klappbrücken oder Schleusen entstanden allgemeinnützliche Gebäude wie z.B. die Ortskirche, "Tante Emma"-Laden, Schule, Rathaus und nicht zu vergessen die Kneipe.

Emden Binnenhafen
Binnenhafen mit dem zum Restaurant umgebauten
Feuerschiff und Rathaus
Der auf dem Bild oben links zu sehende Großefehnkanal stellte lange Zeit die einzige Verbindung zur "Außenwelt" dar.

Auf dem weiteren Weg gelangen wir nach Aurich, der Hauptstadt Ostfrieslands. Bei Aurich befindet sich der Hügel "Upstalsboom", auf dem sich die Friesen bis zum
14 Jh. jedes Jahr zu Pfingsten versammelten, um ihre Angelegenheiten zu beraten. Sehenswert ist die Markthalle und der Altar in der Lamberti Kirche.

Von Aurich aus radeln wir am Ems-Jade-Kanal entlang Richtung Emden.
Emden ist eine bedeutende Seehafenstadt, die über den Dortmund-Ems-Kanal mit dem Ruhrgebiet verbunden ist.
Otto Huus
Dat Otto Huus
Ein "Muss" für jeden Tourist in Emden ist ein Besuch des "Otto Huus".

Hier sind einige Utensilien aus der Karriere des aus Emden stammenden Komikers OTTO in einem musealen Schmunzelkabinett präsentiert.
Fehngebiet
Typisches Landschaftsbild in Ostfriesland

3. Etappe von Emden nach Norden


Die durch das Abtorfen und durch die Bewirtschaftung entstandenen offenen Flächen werden in Ostfriesland "Meeden" genannt.

Wir fahren von Emden zunächst Richtung Campen und nehmen einen kleinen Umweg über Rysum, dem südlichsten Warftendorf hier an der Küste.

Campen und Rysum bilden mit 18 weiteren Warften-Dörfern dieser Region und dem Fischerdorf Greetsiel die Gemeinde Krummhörn.
Warftendorf Modell
Modell des Warftendorfes Rysum
Warften (auch Warfen oder Wurten genannt) sind künstlich aufgeschüttete Wohnhügel, auf die die Siedler vor über 1000 Jahren begannen, ihre Wohnorte zu bauen. Damals gab es noch keine Deiche und die Hügel boten einigermaßen Schutz bei Sturmfluten. In die Mitte wurde die Kirche mit Friedhof gebaut. Die Kirchen mussten Schutz vor dem Wasser bieten und sind daher massive Gebäude mit hoch angebrachten Fenstern und kleinen Eingangstüren. Um die Kirche herum entstanden die Bauernhöfe und zumeist kleine Handwerkerhäuschen.
Die tiefer liegenden und häufig überschwemmten Marschwiesen wurden für die Rindermast genutzt.

Das nebenstehende Bild zeigt ein Modell von Rysum und vermittelt einen guten Eindruck über diese Siedlungsform. Modell des Warftendorfes Rysum
Warftendorf Rysum
Ortsbild Rysum
Selbstverständlich wurden die Rinder auf den Marschenwiesen bei einer Sturmflut nicht einfach ihrem Schicksal überlassen. Um das Vieh zu schützen, wurde ein eingedeichter Wiesenbereich angelegt, der an die Warft angrenzt. In ihn wurden die Tiere getrieben, um auch sie vor den Fluten zu schützen.

Die kleinen Straßen und liebevoll restaurierten Häuser laden zum Bummeln durch Rysum ein.








Rysum Muehle
Windmühle in Rysum, ein typischer Galerie-Holländer
Die Windmühle von Rysum steht ebenfalls wie die Kirche in der Ortsmitte. Sie kann kostenlos besichtigt werden und ist bis zur Galerie zugänglich. Am Eingang befindet sich ein Spendenkasten in den wir ein paar Münzen für die Instandhaltung einwerfen können.

Es gibt zwei Typen von Windmühlen:

Die deutsche Windmühle (Bock-Windmühle), die ganz aus Holz besteht und bei der das gesamte auf einem Bock montierte Mühlenhaus auf einem vertikalen Zapfen gelagert ist und in die Windrichtung gedreht werden kann,

und die holländischen Windmühlen (Turmwindmühle und Galerie-Holländer) , bei der auf einem meist gemauerten Gebäude nur die Dachkappe mit dem Windrad drehbar ist.
Kirche im Warftendorf Rysum
Blick von der MühlenGalerie
Empfehlenswert ist ein Blick in die Rysumer Kirche, in der sich die älteste, noch bespielbare Orgel (1457) befindet.

Diese Orgel, so ist überliefert, wurde damals von den Rysumer Bauern mit drei ihrer besten Kühe bezahlt und über den zugefrorenen Dollart aus dem Erbauerland Holland nach Rysum geschafft [Quelle: www.rysum.de].
Campener Leuchtturm
Radeln am Deich, zum Campener Leuchtturm
Der Campener Leuchtturm ist höchster Leuchtturm Deutschlands. Es handelt sich um eine 1889 erbaute 65 Meter hohe Stahlfachwerkkonstruktion mit dreieckigem Querschnitt. Er wurde im Jahre 1891 in Dienst gestellt. Das Leuchtfeuer hat eine Reichweite von ca. 55 Kilometern und gehört mit einer Lichtstärke von 4,5 Millionen Candela zu den stärksten Leuchtfeuern in Deutschland. Bemerkenswert ist, dass es sich um ein Präzisionssektorenfeuer mit einem Öffnungswinkel von nur 0,3 Grad handelt.
Der Leuchtturm ist mit einer Aussichtsplattform ausgestattet von der man bei gutem Wetter einen sehr schönen Ausblick über die norddeutsche Tiefebene hat. Sehr gut ist auch die holländische Küste auf der anderen Seite der Ems zu sehen. Die Plattform ist über eine enge Röhre mit einer Wendeltreppe zu erreichen.

Radeln an der Wasserkante
Radeln an der Wasserkante
Bei gutem Wetter hat das Radeln an der Wasserseite des Deiches einen besonderen Reiz. Natürlich findet man auf dieser Seite des Deiches keine Beschilderung, wodurch die Gefahr besteht, dass man mangels Orientierungspunkten eine Abzweigung verpasst.

Nicht zu übersehen ist allerdings der Pilsumer Leuchtturm, da er auf der Deichkrone steht. Der gelb-rot geringelte Leuchtturm ist ein Wahrzeichen Ostfrieslands geworden. Durch den Film "Otto - Der Ausserfriesische" wurde der Leuchtturm bundesweit bekannt und hat so seinen Spitznamen "Otto"-Turm erhalten.
Der Leuchtturm wurde 1891 in Betrieb genommen und mit dem Campener Leuchtturm, dem Leuchtturm auf Borkum und auf holländischer Seite den Leuchttürmen in Watum und Delftzyl zeitgleich in den Dienst gestellt.

Otto Turm
"Otto"-Turm
Diese Türme "beleuchteten" als Leitfeuer einen fest-
gelegten Sektor auf dem Schifffahrtsweg auf der Unterelbe zwischen Emden und Nordsee.
Ein Leitfeuer unterscheidet sich vom Richtfeuer wie folgt:
Leitfeuer sind Einzelfeuer, die durch drei Sektoren (weißer Leitsektor, grüner/roter Warnsektor) eine Hafeneinfahrt oder einen freien Seeraum zwischen Untiefen bezeichnen.
Richtfeuer: bestehen aus Oberfeuer und Unterfeuer und bezeichnet eine in der Seekarte angegebene Richtung in einem Fahrwasser. Das Richtfeuer besteht aus Ober- und Unterfeuer. Im Normalfall sind die Feuerträger so konstruiert, dass eine gewisse Zugehörigkeit zueinander auch aus größerer Entfernung erkennbar ist. Die beiden Feuer werden so positioniert, dass ein Schiff sich dann auf Kurs befindet, wenn beide Leuchtfeuer sich in Deckpeilung (Richtfeuerlinie) befinden.
Greetsiel Kutterhafen
Krabbenkutter im Greetsieler Hafen
Ein Highlight der heutigen Tagesetappe ist ohne Zweifel das Fischerdorf Greetsiel , das den größten Fischkutterhafen Ostfrieslands hat. Greetsiel ist Heimathafen für zur Zeit 28 Kutter.

Ein Wahrzeichen Greetsiels sind die Zwillingsholländerwindmühlen Greetsiel-West (grün) und Greetsiel-Ost (rot), weitere Sehenswürdigkeiten die Kirche, das Halemsche Haus und die Häuserfront am Hafen.

Bemerkenswert ist auch die ungewöhnlich lange Hafeneinfahrt, die sehr gut auf dem Satellitenbild zu erkennen ist.



Wattenmeer
Das Wattenmeer südlich von Norderney

4. Tag: Ausflug mit der Fähre nach Norderney


Heute ist "Ruhetag". Wir haben uns entschlossen zur Insel Norderney überzusetzen um die Dünenlandschaft und den Nordstrand zu erkunden.

Die Fahrpreise betragen für Hin- und Rückfahrt:
16 EUR/Person und 6,50 EUR/Fahrrad (Stand 2008)

Die Mole in Norddeich ist mit dem Bus von Norden aus in 15 Minuten zu erreichen. Die Fahrt mit dem Bus kostet (mit Kurkarte) nur einen Euro/Person.
Die Fahrt mit der Fähre dauert ca. eine Stunde. Heute am Mittwoch ist es "ruhig" an Bord. Die "Ballermanntouristen" sind eher am Wochenende zu erwarten. So bieten sich reichlich Gelegenheiten, schöne Fotos aufzunehmen.

Krabbenfischer vor Windparks
Krabbenkutter mit Windpark im Hintergrund
Krabbenkutter sind speziell für den Fang von Nordseekrabben ausgerüstete Schiffe, die einen flachen Boden und somit auch geringen Tiefgang (< 1,80 Meter) aufweisen.

Charakteristisch ist die auf dem nächsten Foto (unten links) zu sehende Kuttertakelung, zwei Ausleger (Baumkurren), an denen die Schleppnetze seitlich in das Wasser gelassen und dann auf Kufen gleitend über den Meeresboden gezogen werden.

Nach dem Fang der Nordseekrabben werden diese an Bord der Krabbenkutter gekocht und bis zur Anlandung in den Häfen gut gekühlt. Das Abkochen geschieht direkt mit Seewasser in einem Kochkessel, wodurch die Krabben ihr einzigartiges Aroma erhalten.

Krabbenfischer vor Norderney
Krabbenkutter
Fische und Krebse, die nicht zum eigentlichen Fangziel gehören (Beifang) werden über Bord geworfen, weshalb die Krabbenkutter in der Regel von einem gierig wartenden Schwarm Möwen verfolgt werden.
Um die Krabben vom Meeresboden auf unsere Teller oder Brötchen zu bekommen, tuckern die Fischer lange an den Küsten entlang: Durchschnittlich 12 - 14 Stunden sind die Fischer unterwegs, manchmal kommen sie aber auch erst nach 2 - 3 Tagen wieder nach Hause.
Die Krabben müssen, bevor sie verspeist werden können, recht aufwendig aus ihrem Panzer herausgeholt werden. Der größte Teil wird daher in Billiglohnländern gepult (z.B. in Marokko) und dann zurück nach Deutschland gebracht. Hier an der Küste gibt es aber die Gelegenheit, die Krabben direkt am gerade eingelaufenen Kutter oder ggf. in einer der "Fischküchen" am Hafen zu kaufen.

Wattenmeer Nun endlich auch der Trinkspruch zum Friesengeist:

                      Wie Irrlicht im Moor,
                           flackerts empor,
                               lösch aus....,
                                trink aus....,
                           genieße leise,
                    auf echte Friesenweise,
                        den Friesen zur Ehr,
                     vom Friesengeist mehr!
Dünen auf Norderney
Dünenlandschaft
Auch wenn 6,50 EUR für die Mitnahme des Fahrrades nicht gerade ein Sonderangebot sind, empfiehlt es sich, dieselben mitzunehmen, da man die ca. 15 km lange und bis zu 2,5 km breite Insel auf diese Weise ausgiebig erkunden kann. Alternativ können direkt am Hafen von Norderney auch Leihräder gemietet werden.

Ist man zu allerdings zu Fuß unterwegs, muss man ca. 4 Stunden Wanderzeit einplanen, um die Insel zu erkunden.

Rund 1/6 der Insel ist im westlichen Teil besiedelt. Östlich der Meierei prägt ein schöner Dünengürtel das Bild der Insel. Unterwegs trifft man immer wieder auf sehr schön angelegte und befestigte Aussichtplätze auf den Dünen, die bei guter Fernsicht einen Blick auf die benachbarten Inseln erlauben.

Strand auf Norderney
Oststrand auf Norderney
Wir haben unsere Rennräder auf dem Festland zurück gelassen, um die Passanten nicht unnötig zu irritieren.
So können wir ohne Ballast entspannt am kilometerlangen Strand durch feinsten, weißen Sand entlang stapfen.

Der Strand ist unterteilt in Nord-, Ost- und FKK-Strand. Während man im Osten, das Rauschen des Meeres und das Geschrei der Möwen in Ruhe genießen kann geht es am Nordstrand schon etwas lebhafter zu.

Hier findet man die typische touristische Infrastruktur vor mit abgegrenzten Badebereichen, Strandkörben, Sporteinrichtungen, sanitären Einrichtungen und Gastronomie.



Strand auf Norderney
Nordbad auf Norderney
Sehenswürdigkeiten:

1872 wurde der 54,6 m hohe Leuchtturm fertig gestellt. Der Leuchtturm steht im Osten der Insel und kann bestiegen werden.

Die Napoleonschanze befindet sich in der Parkanlage am Schwanenteich. Es handelt sich um eine ehemalige militärische Anlage aus den Zeiten der napoleonischen Kriege.

Die einzige Windmühle der Ostfriesischen Inseln steht auf Norderney in der Nähe des Schulzentrums.

Das Kap, ist eine Art alter Leuchtturm auf einer hohen. Früher wurden hier bei Nacht Leuchtfeuer angezündet, um Fischern und Seefahrern Orientierung zu geben.
Marschland bei Dornum
Ländliche Idylle in Ostfriesland

4. Etappe von Norden über Dalum, Esens, Neuharlingersiel nach Wittmund


Heute geht es viele Kilometer durch eine ländliche Idylle begleitet durch die vielen Windräder, die eine immer wichtigere Rolle in der deutschen Stromerzeugung spielen.
Unser erster Wegpunkt ist Dornum. In Dornum gibt es zwei Burgen - die Benningaburg aus dem 16. Jahrhundert ist heute eine Gaststätte, sowie das Schloss, die ehemalige Norderburg.
In der Enno-Hektor-Straße, etwa 50 m nach der Schlosseinfahrt ist die Dornumer Apotheke, die man unbedingt mal besuchen sollte, um die sich die antike Einrichtung anzuschauen. ... Rundgang durch Dornum


Neuharlingersiel
"Selbstbildnis" am Krabenkutterhafen
Von Dornum aus fahren wir weiter nach Esens und biegen dann von der Standardroute ab Richtung Neuharlingersiel, das an der Küste vor der Insel Spiekeroog liegt und den für mich schönsten Krabbenkutterhafen an der ostfriesischen Küste hat.

Es ist ein besonderes Erlebnis, wenn die Kutter in den 300 Jahre alten Hafen einlaufen und man direkt von Bord die fangfrischen Krabben kaufen kann.
Allerdings braucht man etwas Geschick und Zeit, um die kleine Krabbe aus ihrem vielgliederigen Panzer herauszupulen.

Kaum ein Küstengericht ist schmackhafter in der Erinnerung der Urlaubsgäste verankert, wie jene, die mit fangfrischen Nordseekrabben zubereitet wurden.

Windmühle in Werdum
Windmühle in Werdum, eine typische Turmwindmühle ohne Galerie
Nach einer ausgiebigen Mittagspause in Neuharlingersiel fahren wir weiter Richtung Wittmund und gelangen in den staatlich anerkannten Luftkurort Werdum.

Werdum ist bereits im Jahr 1297 als Warftsiedlung entstanden. Auf dem heutigen Gemeindegebiet wurden bereits im frühen Mittelalter Burgen, wie zum Beispiel die bis zum heutigen Tag bewohnte Häuptlingsburg in Edenserloog, errichtet.

Zu unserer Überraschung stoßen wir in Werdum zufällig auf eine kleine, einladende Brauerei. Also, warum nicht mal ein Bierchen bei Tageslicht einnehmen? Wir haben ja schließlich Urlaub.


Küstenbrauerei in Werdum
Küstenbrauerei zu Werdum
Die Küstenbrauerei zu Werdum wurde in einem historischen Gebäude eingerichtet und ist auf die Herstellung ostfriesischer Bierspezialitäten spezialisiert.

Im gemütlichen, rustikalen Gastraum und auf der sonnigen Terrasse ist Platz für Bierfreunde aus Nah und Fern. Jeder Schritt zur Bierherstellung ist einsehbar und kann vom Sitzplatz bzw. von der Theke genau verfolgt werden.

Hier gibt's ein trübes Pilsener, ein Dunkles mit mildem und malzigen Charakter, sogar ein Weizenbier im Sommer, zeitweise ein Bockbier und ne' Erdbeerbierbohle für jene, die Bier pur nicht mögen.


Wasserschloss Gödens

5. Etappe von Wittmund über Jever und Hooksiel, zurück nach Schortens, über Gödens nach Dangast


Der erste Etappenort heute ist Jever. Jever kennt natürlich jeder wegen der Brauerei. Aber das ist bei weitem nicht alles. Lohnenswert ist das Grabdenkmal aus dem 16. Jahrhundert in der Stadtkirche, das Schloss und eine Rast im "Haus der Getreuen" im Schatten der Brauerei.
Bis Hooksiel geht es durch eine typisch friesische Landschaft mit einzeln stehenden Höfen auf zum Teil mächtigen, seit 2000 Jahren bewohnten Warften.
Am Hafen in Hooksiel gönnen wir uns im Cafe im alten Packhaus eine Pause. Bevor wir zurück nach Schortens fahren. (Die Variante 1 der Standardroute führt normalerweise am Jadebusen entlang durch Wilhelmshafen, das wir aber wegen einer größeren Baustelle im Hafengebiet umfahren wollen.)
Strandhotel Dangast
Strandhotel Dangast
Von Schortens führt uns der Weg vorbei am Schloss Gödens, das als schönste Wasserburg Ostfrieslands gilt. Das Schloss ist noch bewohnt und deswegen nicht zugänglich. Der liebevoll gepflegte Schlosspark steht jedoch allen Besuchern offen.
Der romantische Ortskern von Neustadtgödens ist ebenfalls sehenswert. Er wurde 1544 von calvinistischen Glaubensflüchtlingen gegründet, denen der damalige Landesherr, weil er dringend Untertanen brauchte, eine Zuflucht bot. In der folgenden Zeit lebten hier Lutheraner, Reformierte, Mennoniten, Katholiken und Juden friedlich zusammen und es entstanden auf engstem Raum fünf Gotteshäuser in einem intakten Dorfensemble.

Schließlich erreichen wir unsere heutiges Hotel, das Strand-Hotel Dangast, das in aussichtreicher Lage auf der Deichkrone liegt.
Kirche in Rastede
Typisch für den friesischen Raum sind die gotischen Hallenkirchen
mit den freistehenden Glockentürmen

6. Etappe von Dangast über Rastede und Wiefelstede zurück nach Oldenburg


Erwähnenswert in Dangast ist unter anderem das Kurhaus, die Gaststätte befindet sich in einer ehemaligen Kirche. Hier sitzen jung und alt, Punker und Banker einträchtig nebeneinander und genießen den berühmten Rhabarberkuchen.
Von Dangast fahren wir via Varel nach Rastede, eine ehemalige Sommerresidenz des Oldenburger Adels. Hier geht es durch den weitläufigen Schlosspark zur Stadtmitte. In dem von einem Blumenmeer umrahmten Biergarten des Restaurants Arkadia genießen wir ein letztes Mal norddeutsche Spezialitäten, bevor wir uns auf den Weg über Wiefelstede nach Oldenburg machen, dem Ausgangspunkt dieser Rundreise.

Fotos©: berge-und-viel-meer.de


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